Interview mit unserem Küster

Als ich die Einfahrt zum Grundstück der Familie Tonnat in Rafeld hinunterfahre, leuchten mir von rechts und links unzählige Sonnenblumen in den unterschiedlichsten Größen und Dahlien in tollen Farben entgegen. Die Hälfte des Gartens ist bewusst so bepflanzt, „für die Sträuße in der Kirche und zum Weitergeben“, denn unser Küster Ulrich Tonnat ist der Auffassung, dass man nicht immer Blumen für den Schmuck in der Kirche kaufen kann. Auch Kürbisse für das Erntedankfest werden hier schon herangezogen.

Seit Oktober 1998 (damals noch unter Pastorin Wehrmann) ist der gelernte Tischler, der vorher schon in der Baumschule Eikermann in Selsen ausgebildet wurde, nun schon in unserer Kirche als Küster tätig und geht zu Ende Oktober in den Ruhestand.

Kaum einer weiß, dass er nicht nur Glocken geläutet, Gebäude gereinigt und geschmückt, Außenanlagen gepflegt und Gottesdienste technisch und organisatorisch unterstützt hat, sondern auch in seiner Werkstatt z.B. die Liedanzeigetafeln und Blaue Mappen Ständer oder Holzkästen für Spenden etc. angefertigt hat. Zwischendurch musste
auch manches Inventar (Stühle usw.) repariert werden. Dabei verstand er seine Aufgaben nicht bloß als Job, sondern stand und steht bewusst auch hinter der geistlichen Dimension der Gemeindearbeit, sei es als Mitglied des Kirchenchores und in Lesungen und Gebeten im Gottesdienst.

Als oberstes Gebot für einen Küster nennt Ulrich mir „Ruhe bewahren“ und erzählt von dem Heiligabendgottesdienst, als plötzlich in der vollbesetzten Kirche der Strom ausfiel. Das Spiel des Posaunenchores brach ab und ein Ohh! ging durch den Raum, während nur noch die Adventskerzen brannten. Nach einem Moment fand unser Küster die gestörte Sicherung und konnte den Rest wieder anstellen, da braucht man wirklich Nerven!
Diese und weitere Erfahrungen brachte Ulrich Tonnat übrigens lange Jahre in der Evangelischen Küstervereinigung
Westfalen-Lippe ein als Vertrauensperson, im Hauptvorstand und auch als Lehrgangsleiter für neue Küster. So knüpfte er viele Kontakte zu Küsterinnen und Küstern in der Westfälischen Kirche und der Lippischen Landeskirche und aktualisierte seinen eigenen Wissenstand immer wieder um neue arbeitsrechtliche und technische Belange.

In letzter Zeit sei es allerdings gesundheitlich immer schwerer geworden, sein Amt als Küster auszufüllen und so freut sich Ulrich Tonnat nun auf den Ruhestand mit Zeit für Familie und Garten. Wir wünschen ihm dafür Gottes reichen Segen und verabschieden ihn im Reformationsgottesdienst am 31.Oktober in großer Dankbarkeit für seinen Einsatz in unserer Kirchengemeinde. Und alle sind herzlich eingeladen dabei zu sein!

Der Kirchenvorstand hat beschlossen, mit dem Eintritt unseres langjährigen Küsters Ulrich Tonnat in den Ruhestand
in diesem Arbeitsfeld neue Wege auszuprobieren. Die vielfältigen Aufgaben sollen auf viele verschiedene Schultern verteilt werden. Ein leitender Gedanke dabei war es, besonders auch jungen Menschen, die eine Verbindung zur
Kirchengemeinde haben, eine Möglichkeit zu geben, hier sinnvolle Arbeiten zu tun, Eigenverantwortung zu fördern und damit auch die Verbundenheit zur Kirche zu stärken.
Im Gottesdienst am 31. Oktober 2021 wollen wir sie – soweit möglich – auch offiziell für diese neuen Dienste
einführen.